Länder

In der Provinz Gansu angekommen

Heute ist ein besonderer Tag, denn ich habe gehen 14 Uhr ganz ohne Hinweisschilder die Provinz Xinjiang verlassen und bin jetzt in Gansu. Am Abend habe ich Liuyuan erreicht, ein kleines. Örtchen am Rande der Wüste. Hier gabelt sich die Seidenstraße in die Nord- und die Südroute um die Taklamakan. In Kashgar kommen die beiden Routen wieder zusammen. Außerdem bin ich genau vor vier Wochen in Leipzig aufgebrochen und am Abend in Taschkent angekommen.
Ansonsten war der Tag nicht spektakulär, immer nach Süden durch das Bai-Schan-Gebirge mit Hochebenen, einem Teil der Gobi. Das ganze Gebiet ist ein Naturschutzgebiet Wüste. Die Strasse, hier nur Autobahn, führte schnurgerade durch die Gegend. Manchmal ein paar kleine Biegungen, meist eben, häufig leicht rauf und runter mit kleineren Pässen bei 1800 und 1900 m Höhe. Am Abend war ich dann in Liuyuan, ein kleiner hässlicher Industrieort mit Bahnhof. Daher einige kleinere Hotels, gut und preiswert. Eine ungewöhnliche Kombination bisher in China.
Heute Mittag traf ich den jungen Italienischen Radfahrer wieder. Nach einem kurzen Plausch haben wir uns verloren. Vielleicht treffen wir uns in Dunhuang wieder. Er ist in Venedig gestartet, über den Balkan, Griechenland, Türkei, Iran und Usbekistan hierher gekommen. Weiter fährt er am Rand von Tibet nach Süden bis Hongkong.
Ich werde auch ein Stück Südroute fahren, um Dunhuang zu sehen. Dann werde ich ein Stück mit dem Bus in den Hexikorridor fahren.

Etwas schlapp vom Schlaf in der Garage an der Autobahn

Heute war um 15.30 Uhr die Luft raus. Letzte Nacht hatte ich in der Garage nicht so gut geschlafen und bin um 8.30 kurz nach Sonnenaufgang ohne Frühstück los. Als es wärmer wurde, habe ich es nachgeholt, am Straßenrand mit toller Aussicht über die Wüste zu dem nächsten Gebirge Bai Shan. Es ging aber stetig bergan und ich war etwas schlapp von den letzten Tagen. Im Ort Xiangxiangxia wollte ich eigentlich Rast machen. Es war jedoch die Raststätte und ein bisschen mehr. Die nächste Raststätte in 84 km und kein Ort. Nein Danke. Schluss für heute. Morgen ist auch noch ein Tag. Meistens oder zumindest seit Bestehen der Erde.

Schlafen in Sotian an der Autobahn Gobi

Heute war der Tag der Radfahrer. Nach dem reichlichen Frühstück (chinesisch rauf und runter, aber richtiger Kaffee), den Einkäufen und dem Geldautomaten (geht hier mit Kreditkarte wie bei uns mit EC-Karte) ging es aus der Großstadt Hami (700.000) Richtung Südost. Ohne Navi geht gar nichts, da Verkehrsschilder unbekannt sind und nicht vorkommen. Warum auch? Wer hier wohnt, weiß es und andere kommen hier nicht hin. Es ist wirklich alles chinesisch. Noch nicht einmal im Business-Hotel gibt es Ausländer und die Speisen auf dem Bufet sind nur Chinesisch ausgezeichnet. Sehen hilft dann. Spiegelei, beidseitig gebraten in einer Rundform ist sehr beliebt.
Na ja irgendwann war ich am Stadtrand. Dort traf ich auf eine Gruppe chinesischer Radfahrer bei einem Ausflug. Es waren keine Profis, daher fuhren wir gleich schnell. So hatte ich mal Windschatten. Die Verständigung war schwierig, da alle nur chinesisch sprachen. Nach dreißig Kilometern blieben sie zurück. Dafür traf ich eine Stunde später einen chinesischen Radler auf dem Weg, ganz China zu erkunden. Dann eine halbe Stunde später holte mich ein anderer Radfahrer ein. Er kommt aus Italien und will auch nach Xian und dann nach Hongkong. Nach einer halben Stunde trennten sich die Wege, da er zur Raststätte fuhr, während ich gerade gegessen hatte. Vielleicht treffen wir uns noch in der Weite der Wüste Gobi, durch die jetzt die Strasse (Autobahn) führt. Wäre die Strasse nicht, wäre es ziemlich leer hier. So ist eine Raststätte alle 140 km und ein bewirtschafteter Parkplatz alle 30 bis 40 km. Als die Nacht reinbrach, habe ich dort gespeist und konnte draußen übernachten. Gut, dass der Schlafsack bis -10 Grad ist. Morgen geht es weiter nach Dunhuang. Die Entfernungen sind hier ziemlich groß. Als ich in Urumchi auf die Autobahn fuhr, war die Beschilderung bei 3611 km. Bis Xian. Inzwischen bin ich bei 2889 km angekommen.

Loblied auf chinesische Autobahnen

Ein Loblied auf die chinesischen Autobahnen muss ich anstimmen. Immer in einem guten Zustand, ständig gewartet, breiter Seitenstreifen für Radfahrer und Pannen. Also sehr sicher für Radfahrer, geringe Steigungen, glatte Oberfläche. Für Radfahrer zugelassen, wenn die Landtrasse schlecht.
Also bin ich vom nirgendwo in den Bergen nach Hami gut gefahren. Hami ist durch die Melonen bekannt, ansonsten wenig zu sehen. Weiter geht es nach zur Oase Dunhuang.

Flammende Berge

Die Turfan-Senke oder Oase war schon immer von Menschen besiedelt. Auf dem Weg nach Osten habe ich noch die verlassene Stadt Gaoshan und die zugehörige Mausoleum-Anlage besucht. 200 vor unserer Zeit entstanden und 600 Jahre verlassen, dennoch sind immer noch majestätische Mauern und Gebäude vorhanden. Der Hintergrund der Stadt sind Sandstein-Gebirge, die im Licht der untergehenden Sonne leuchten. Bei Hitze, hier der heißeste Ort Chinas, verwirbelt die Luft und sieht aus wie Flammen, daher die Flammenden Berge. Sieht schon toll aus.
Gerade mal 10 km weiter sind die 1000-Buddha-Grotten von Bezeklik, wieder entstanden ab 300 durch fromme Mönche. Wie die anderen Grotten auch, sind diese im einem grünen Tal in die Wände gehauen. Die schönsten Stücke auch hier von Lecoq aus den Wänden gesägt, die Figuren mitgenommen. Heute in Berlin zu bewundern. Das was nach muslimischem Bildersturm, den Roten Garden und der Zeit übrig ist, bleibt ein starker Eindruck. Viele Farben sind immer noch kräftig, wie blau. Gesichter gut zu erkennen und sehr ausdrucksstark.
Bis Shanshan waren es dann noch 70 km, erst Landstraße, dann Autobahn. Der Mond ging dann irgendwann über den Bergen blutrot auf, schon abnehmend. Shanshan hat wenig zu bieten, bemüht sich aber intensiv um Touristen.

Ins Nichts nach Shanshan

Hinter Shanshan fing das Nichts an. Aber davon gab es viel. 160 km ohne Orte, Kneipen und Raststätte. Dafür konnte ich die Autobahn nutzen. Teilweise war die Landstraße nicht mehr vorhanden. Shanshan war noch eine nette Kleinstadt (China) gewesen. Trotz Sonntag gab es Frühstück in den Kneipen. Die Strassen und später die Autobahnen waren leerer als sonst. An der Fernwärme (neu) wurde aber dennoch gearbeitet.
Den ganzen Tag ging die Strasse aufwärts. Eine wilde Landschaft am Füße des Bogdan Shan. Aber einsam. Alle 140 oder mehr Kilometer eine Raststätte. Gegen 19 Uhr ging dann die Sonne unter. Noch 70 Kilometer. Nach 800 Höhenmetern und 6 Stunden war ich endlich angekommen. Es gab noch Zimmer, dann war ich eingeschlafen. Im schönen warmen Schlafsack. Es wird inzwischen abends und nachts empfindlich kalt. Ab 19 Uhr lange Hose, Jacke und Skihandschuhe, und das auch bergan. Eine sternenklare Nacht und ein wunderschöner Mond.
Heute geht es nach Hami. Ist nicht mehr so weit.

Die grüne Oase Turfan

Die Oase Turfan ist wirklich so grün, wie überall beschrieben. Und das, obwohl es der heißeste Ort Chinas mit 49,6 Grad ist. Drumherum Wüste. Es ist offensichtlich das Wasser aus den Bergen, das die Menschen seit mehr als 40.000 Jahren hierher zieht. Die Landwirtschaft gedeiht nur wegen des Kadez genannten Bewässerungssystems, ähnlich wie in Persien. Lange Kanäle verlaufen unterirdisch und kommen erst nach vielen Kilometern an die Oberfläche. Ein tolles Museum gibt es hierzu. Ebenso eins zur Geschichte der Region. Nicht ganz so spektakulär wie Urumchi, aber mindestens ebenso gut gemacht. Eine uralte Stadt, mindestens 2500 Jahre alt, kann besichtigt werden, zumindest die Ruinen aus Löss und Lehmziegeln. Angeblich die größte der Welt. Und in einem gesonderten Museum sind die damaligen Methoden und Tätigkeiten rekonstruiert mit Entwicklung bis heute.
Echt spannend. Nur der mit den Touristen einhergehende Nepp stört, wie doppelte Zahlung bei Museen und dem sehr teuren Frühstück, das nicht bei der Übernachtung dabei war. Die Touris, vor allem die Bildungsreisenden, haben die 30 Y brav bezahlt, was in € auch nicht so viel ist, machen dadurch aber alle Preise vor Ort kaputt. Empört bin ich in den Ort und habe ein chinesisches Frühstück für 5 Y bekommen.
Mit den Museen und einem Bummel über den Basar und Essen ging der Tag schnell vorbei. Morgen geht es weiter, zwei Orte stehen noch zur Besichtigung aus, u.a. die Höhlen von Bezeklik. Der nächste große Ort ist Hami.

Nachtrag zur Sturmfahrt

Der Tag endete ja im Sturm in der Raststätte, direkt am Autobahnkreuz. Die Autobahn 3045 hatte ich auch kurz hinter Urumchi genommen. Dank Navi und mit meinen Kenntnissen der Stadt kam ich auch gut raus. Nur danach endete die Strasse in einem Bauhof, links Landtrasse, rechts Auffahrt Autobahn. Also Landstraße. Falsche und bergan. Fahrrad abstellen und LKW-Fahrer fragen. Dabei brachen die Schrauben vom Ständer. Ist auch Spielkram. Mit Hilfe des Fahrers den Ständer provisorisch befestigt. Natürlich musste ich die Autobahn nehmen. Später gab es keine Landtrasse mehr. Kaum war ich losgefahren, kam ein Sturm auf, leider gegenan. So ging es nur langsam voran. Die Landstraße war jetzt wieder parallel zur Autobahn. Ich blieb aber dort, wegen guter Oberfläche, eigenem Fahrstreifen und geringerer Steigung. Gegen 16 Uhr schlief der Wind ein und es ging gut voran. Gegen 18 Uhr eine riesige Staubwolke im Süden. Schnell alles verschlossen, dann kam der Wind. Erst von der Seite, dann von hinten. Das ging super mit wenig treten 30 km/h. Weit und breit kein Ort. Es ging an zu dämmern, da ging die Strasse, jetzt beide zusammen, in die Schlucht zur Oase. Rechts Tienshan, links Bogdanshan. Eine wilde und grandiose Landschaft. Am Ende der Schlucht eine Raststätte, aber kein Bett. Essen ist ja schon mal was. Jetzt hatte ich lange Hose, Jacke und Skihandschuhe an. Da wurde aus dem Wind der Superorkan und nach ein paar Kilometern ging nichts mehr.
Es ist inzwischen Donnerstag, 9.10. Mittag. Der Wind hat etwas nachgelassen. Erst mal was Essen gehen.

Sturm auf dem Weg nach Turfan

Nach einer längeren Mittagspause habe ich es probiert: geht es am Wind und vor dem Wind? Ja es ging. Also schnell alles gepackt und los. Durch den Fußgängertunnel auf die andere Seite der Autobahn und ab. Zwischen den Böen ging es. Nach ein paar Kilometern war dann schon wieder Schluss. Der Sturm von der Seite und die Wirbel eines LKW haben das Fahrrad beim Schieben umgeworfen. Doch sofort hielt ein Bus und nahm mich samt Fahrrad mit. Auch der Bus schaukelte heftig und alle paar Kilometer lag ein umgekippter LKW. Nach ca 30 km, mehr in der Senke von Turfan, wurde es ruhiger. 20km vor Turfan wieder Polizeikontrolle. Aber auf der Gegenseite ein LKW-Stau von 10 km dreispurig. Offensichtlich kam keiner mehr hoch wegen des Sturmes. Vor Turfan windstill. Die letzten paar Kilometer gingen dann mit eigener Kraft. Seltsames Phänomen: unten in der Senke windstill, die Wolken ziehen langsam und oben auf dem Kamm, also dazwischen tobt ein Orkan. Was es nicht so alles gibt.
Das Hotel hab ich schnell gefunden, noch eine Tour zur Erkundung. Turfan ist völlig anders. Keine Wolkenkratzer, einige höhere Häuser, einige Hochhäuser im Bau. Meistens 3-4 Stockwerke. Verkehr eher zivilisiert. Alles ganz angenehm. So konnte ich den Ort kennenlernen und meine Ziele, oder die Wege dahin, kennenlernen. Aber kalt war mir. Es ist eben Herbst. In Urumchi war mir erstmals bewusst aufgefallen, dass die Blätter bunt sind und fallen. Dort steht aber hinter jedem Blatt ein Straßenkehrer und sorgt für Ordnung. Armes Blatt.
In Turfan gibt es das nicht. Aber kalt wird es auch hier, aber gemäßigter. In Urumchi hatte der Wetterbericht für meinem Abreisetag Schneeregen angesagt. Gut, dass ich weg war.
In einer nahegelegenen Kneipe hab es noch Essen und dann war Schluss!
In Leipzig tobte dann die Demo beim Lichterfest um den Ring. Schon wieder 25 Jahre her.

Sturm in den Bergen vor der Turfa-Oase

Ein Sturm in den Bergen vor der Turfan-Oase hält mich seit gestern abend, Mittwoch den 8.10., fest. Mit Fahrrad geht gar nichts mehr. Gestern Abend brach er plötzlich los mit Stärke 10 – 12. Die Verkehrspolizei hat mich eingesammelt, da ich mich kaum noch bewegen konnte. Das Fahrrad drohte immer weg zu fliegen. Erst haben sie mich mit zur Wache an der Kontrollstelle an der Autobahn gebracht und dann zur nahegelegenen Raststätte, wo einfache Zimmer sind. Heute am Donnerstag Morgen ist es noch nicht besser. Da muss ich noch warten. So kann ich über die letzten beiden Tage berichten.
Am Dienstag den 7.10. habe ich also die Großstadt Urumchi erkundet. Mittlerweile 4 – 5 Mio. Einwohner. Die Altstadt mit den Basaren und Märkten verschwindet immer mehr. Auf dem Gelände vom großen Basar wird gerade ein Wolkenkratzer mit 200 x 200 m Grundfläche fertig gestellt. Viel Platz ist nicht mehr für den Basar. Eine seltsame Atmosphäre. Nebenan die riesige Moschee, mitten in den Türmen der Moderne. Das war es auch schon fast mit dem Besichtigungsprogramm. Die Pagode auf dem Berg mit angeschlossenem Vergnügungspark gibt es auch noch. Stolz präsentiert die Stadt dort den Aufschwung vom der uigurischen Ziegelsiedlung zur chinesischen Betonmetropole. New York ist nix.
Das besuchenswerte ist jedoch das Museum von Xinchiang. Dort ist die Region seit der Altsteinzeit anhand von Funden und Modellen dargestellt. Bemerkenswert ist jedoch die Abteilung Mumien und Ausgrabungen. Schon vor hundert Jahren kamen die ersten Mumien zum Vorschein, wurden aber im Boden belassen. Erst in den 80er Jahren sind die Mumien an den verschiedenen Stellen in der Taklamakan ausgegraben worden. Im Wesentlichen haben chinesische Wissenschafter die Ausgrabungen und wissenschaftlichen Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse sind interessant. Die älteste Mumie stammt etwa aus 1800 vor unserer Zeit, als Sumer noch bestand, die Hethiter gerade groß wurden und in Ägypten das alte Reich bestand. Diese Mumie, eine Frau von ca. 40 Jahren, wird die Schöne von Loulan bezeichnet. Ihr Bild ist überall zu sehen. Die genetische und molekulare Untersuchung ergab, dass die Frau indogermanisch ist, helle Haut hatte, mit Kelten und Iren verwandt ist. Sie muss wohl 1,80 m groß gewesen sein. Weitere Mumienfunde von etwa 800 vor unserer Zeit geben ein noch klareres Bild. Eine liegende Frau mit heller Haut, blonden Haaren und gefalteten Händen; sie sieht aus, als wäre sie gerade erst gestorben. Eine männliche Mumie muss 2 m groß gewesen sein. Die Bekleidung ist bemerkenswert gut erhalten, selbst die Farben der Stoffe. Die salzhaltige Wüste gar alles gut erhalten.
Also hat es schon vor fast 4.000 Jahren hier Menschen gegeben, hat ein Austausch der Kulturen stattgefunden (Grabbeigaben belegen das) und waren damals schon Indoeuropäer hier gewesen. Weitere Funde und Auswertungen bringen sicherlich noch Spannendes hervor.
Ein paar Jahrhunderte später kommt dann der Buddhismus ins Land und prägt es mehr als 1000 Jahre mit Klöstern etc. Erst dann sind chinesische Einflüsse in der Kultur erkennbar. Darauf sind natürlich die heimischen Uiguren sehr stolz, auch wenn diese gerade mal 1500 Jahre hier wohnen.
Sehenswert ist noch der Bereich, der alle Völker und Minderheiten in Xinchiang mit viel Material, wie Zelten, Musik-Instrumenten, darstellt.
Und natürlich brauchte ich noch Ersatz für meine Benzinflasche. Ich fand einen Outdoor-Laden, die das gesamte Coleman-Programm hatten, auch Gasflaschen. So war meine Ausrüstung wieder komplett.
Das Highlight des Tages war jedoch der Abend. Wir hatten es geschafft – Micha, Julius und ich – uns zu treffen. In Kaschgar war ich bei deren Ankunft losgefahren, ohne es zu ahnen. Die beiden waren länger in Kaschgar geblieben und dann mit der Bahn nach Urumchi gekommen. Mit Mail geht die Kommunikation überall. Der Treffpunkt existierte auch nicht mehr, trotzdem trafen wir in einem Café mit richtigem Kaffee zusammen und fanden ein gutes Restaurant nebenan. Sehr lecker, scharf und gar nicht so teuer. Gleich zwei Kellnerinnen um uns.
Vor Sari Tash hatte ich die beiden getroffen. Sie hatten, zusammen mit den Franzosen, vor dem Pass gezeltet. Mich hatte ein LKW mitgenommen. Am Samstag bin ich um 8.30 losgefahren und sie kamen um 11 dort an und blieben bis zum nächsten Tag. Dass ich da gewesen war, wussten sie, da ein Junge in der Kneipe, in der sie essen waren, ihnen stolz ein Foto von sich zeigte, auf dem ich auch drauf war.
Die Erlebnisse der beiden sind nachzulesen auf www.hochstarter.wordpress.com.
Schnell verging der Abend mit den vielen kleinen Geschichten und Erlebnissen. Bis Weihnachten wollen sie in Thailand sein. Von den zentralasiatischen Wüsten haben sie die Schnauze voll und fahren mit dem Zug bis Xian. Sie zelten fast nur, da ist die Wüste blöde. Beim zelten hatte ich sie ja auch getroffen, auf dem Weg ins Hochgebirge, Zelt auf einer Sandbank im Fluss. Sah sehr romantisch aus.

Mit dem Zug nach Urumqui

Es passiert immer so viel, dass ich kaum hinterherkomme, alles aufzuschreiben. Der Grenzübergang und Kaschgar liegen gefühlt schon Jahre zurück.
Also gestern früh war ich um kurz nach 6 am Bahnhof. Erste Sicherheitskontrolle kein Problem. Fahrkartenkontrolle war dann Endstation. Fahrrad geht gar nicht. Zusammenklappen verstand ich. Doch es ist kein Klapprad. Also Gepäck runter und Vorderrad ausgebaut. So ging es. Also zwei Touren von den Fahrkarten zum Scanner, wie Flughafen. Dann gab es den Riesenaufstand, weil ich Benzin für den Kocher dabei hatte. Geht gar nicht, wie Flughafen. Also Brennstoffflasche ade. Schade. Dann die Waffen und Messer. Das nicht genutzte Klappmesser abgeben. Ein zweites? Hab ich nicht. Palaver. Dann kann ich gehen. Wieder zwei Etappen zum Bahnsteig. Kurz vor Einfahrt des Zuges. Nervöse Spannung allenthalben. Alle Wartenden in einen Haufen gedrängt und das Gleis von beiden Seiten mit Bereitschaftspolizei und Wachpersonal gesichert. Nach der Entwarnung der Pfiff zum Einsteigen. Mein Wagen ist am Ende vom Bahnsteig. Zwei mal rennen. Dann alles im Zug. Platz gefunden, Gepäck verstaut, Fahrradtorso vor eine Zugtür. Setzen und auf Abfahrt warten. Der Exot im Zug. Dann gehts los pünktlich um 7.14. Fahrrad nochmals umsetzen vor eine defekte Tür. Ruhe. Es ist noch dunkel. Der Zug voll, er ist schon seit 11 h unterwegs seit Kaschgar. Kantinenwägelchen kommt vorbei. Einige bestellen Frühstück. Ich dann auch. Damit löst sich die spürbare Spannung etwas: Salat, Ei, Hefekloss und Teller Reissuppe. Schmeckt und reicht. Ein Mädchen kann etwas Englisch und erzählt, dass sie in der nächsten Stadt, Korla, studiert, das Semester beginne und die von der anderen Seite der Taklamakan käme. So erfahre ich ein bisschen von den Unis. Die anderen können kein Englisch. Nächster Halt Korla. Riesenstadt und reich, da die Ölgesellschaft Tarim Oil dort sitzt. Überall waren Lichter in der Wüste, Ölanlagen. Bisher ging es ja ganz flott. Die Berge kommen aber bald. Die Eisenbahn führt durch den Tienschan, die Strassen führen drum herum. Das kann ja noch was werden, auf jeden Fall spannend, wie die Bahn da hoch kommen will. Zwei Lokomotiven, und schon gehts los. Die folgenden 10 h geht es durch gewaltige Gebirgslandschaften mit ewigem Schnee, engen Kurven für die Bahn, Tunnel ungezählt. Häufig warten auf einen Gegenzug, da nur ein Gleis.
Es ist grandios, enge Kurven, Tunnel, Brücke, verschneite Hochgebirge, sanfte Täler, wilde Schluchten. Und das im Wechsel. Meine Begeisterung steckt an und bald sind viele Leute mit Fotos zugange.
Ein Paar mit Kind kann etwas Englisch, so kommen wir ins Gespräch.
Als es später wird, kommt die Musik wieder hervor. Einige können spielen. Hinter und neben mir wird jetzt gespielt und gesungen. Und ich mitten drin. Vielleicht dreißig Leute. Uigurische Balladen und Lieder. Verständigung geht auch so. Im Bahnhof Turfanshan dreht der Zug. Leute rein und raus. Ein paar Han-Chinesen im Abteil. Die Musik ist weg.
Mit zwei Stunden Verspätung kommt der Zug nach Urumqui. Fahrrad zusammenbauen und beladen. An drei Polizeikontrollen aus dem Bahnhof. Abschied von den Musikern. Dann in die falsche Richtung gewiesen. So habe ich wenigstens Urumqui und seine Vororte kennen gelernt. Die Stadt kenne ich jetzt auch ohne Stadtplan. Es war fast zwei als ich ins Hotel kam. Was für Erlebnisse an einem Tag.

Schroffe Felsen, Canyons, Felswände in Höhlen

Heute war reich an Spannung und Abenteuer. Sogar die Angestellte am Schalter musste laut lachen. Es fing gleich mit dem Frühstück an. Die chinesische Küche rauf und runter, warm und kalt mit uigurischen Ergänzungen. Ach ja, in einer Ecke gab es Toastbrot, Butter u.ä. Da hatte es sich gelohnt, rechtzeitig aufzustehen. Konnte eh vor Spannung nicht lange schlafen. An der Rezeption kannte niemand die historischen Highlights der Stadt und. Umgebung. Musste ich erst ein bisschen erklären. Na ja eine Taxinummer haben die mir gegeben. Nach dem Packen und Auschecken bat ich um Vermittlung und Preisermittlung. Das funktionierte. Für meine Vorhaben also ein Taxi für den Tag, immerhin 50 €. Mit Übernachtung mehr als seit der Einreise nach China. Aber alles mit Rad durch die Berge? Nein Danke.
Also mit dem Taxi gefühlt kreuz und quer durch die Stadt bis ein Weg unter Autobahn und Eisenbahn in eine wilde Landschaft führte. Dann ein Tor. 40 Y Eintritt für ein paar Ziegel? Schließlich kam ich mit 10 durch. Von den vielen Signaltürmen an Chinas älter Westgrenze vor 1500 bis 1000 Jahren ein gut erhaltener. Weiter im Osten waren dann die Mauern. Die Lage war günstig vor den Bergen mit weiter Sicht über Vorland und Wüste. Dahinter einige buddhistische Höhlen ohne was drin. Musste nicht sein. Dann zu den Klöstern und Höhlen von Kizil. Wilde Landschaften, schroffe Felsen, Canyons, viele Farben. Grandios. Dann wieder Hochebene, Polizeikontrollen, Bäume als Saumbewuchs in der Ferne. Abzweig, dann steil in ein Tal, Grün, Wasser, Bäume. Wie eine Oase in der Wüste. An den Felswänden dann die Höhlen. Viele sind von Le Coq, Stein, Grünwedel geplündert und in Berlin ausgestellt. Aber mit Bombenschäden. Andere waren von Moslems oder Roten Garden zerstört. Was ist besser? Elgin Marbles in London, Nofretete in Berlin!? Oder Granatfeuer auf Budda-Bilder in Afghanistan. Was ist richtig, was ist gut. Auf jeden Fall sind viele Höhlen erhalten oder Teile davon. Es ist schon beeindruckend, was zwischen 300 und 600 an Kunstwerken entstanden ist. Fromme buddhistische Mönche lebten dort und schufen immer neue Gebets- und Gedenkhöhlen, meistens für reiche Sponsoren. Kucha war frühen ein buddhistisches Reich und beherbergte damals Kumarajiva, den Übersetzer der buddhistischen Literatur vom Sanskrit ins Chinesische. Mit den Höhlen wird heute sorgfältig umgegangen. Kleine Gruppen, nur weniges zugänglich, keine Fotos.
Auf dem Rückweg wieder viele Kontrollen mit Scannen der Ausweise etc. Es ist wirklich überall schwer bewaffnete Polizei. Jede Kreuzung, ständig Patrouillen, vor jedem Markt. Der Bahnhof ist eine Festung. Wie im Bürgerkrieg. Und das wegen der wenigen aktiven Uiguren?
Die Proteste sind verständlich, fehlt doch viel Autonomie. Die Häuser der Uiguren werden platt gemacht und ersetzt durch hunderte Hochhäuser allein in dieser kleinen Stadt. In Kashgar hat die UNESCO ihre Hand darüber. Aber hier und sonst in Sinkiang?
Nach der Rückkehr dann sofort zum Bahnhof, Ticket besorgen. Finde mal den Bahnhof ohne Schilder in einer etwas anderen Sprache und Schrift? Dann Polizeikontrollen nur, im zum Schalter zu kommen. Durch die modernen Anzeigen wusste ich, dass morgen zwei Züge nach Urumchi fahren und noch Plätze frei sind. Also malte ich auf, was ich wollte: mit dem Zug nach Urumqui, aber mit Fahrrad. Dann musste die Dame laut lachen. Wenigstens hatte die es verstanden. Mit den Übersetzungen im Reiseführer klappte es dann ganz gut. 10 Minuten später war ich stolzer Besitzet einer Fahrkarte für immerhin 56 Y, oder 7 €. Die Strecke geht immerhin durchs Gebirge und ist vielleicht 700 km lang. Ich bin gespannt, das Abenteuer geht weiter. Ein neues Hotel, Geldautomat, Essen fassen in Chinesisch sind da schon normale Angelegenheiten. Ein bisschen Sprache und Schrift geht schon.
Nur muss ich morgen im 5.30 aufstehen, denn der Zug fährt um 7.14 ab. Bei den vielen Kontrollen halt etwas eher. Mal sehen, wo ich morgen Abend bin.
Ach so, noch ein Nachtrag. Im Bus gestern lief die ganze Zeit der Fernseher. Kein chinesisches Programm, sondern türkisches und kasachisches: Theater, Kabarett, Kultur. Schon überraschend. Und viele im Bus lachten und klatschten. Die Lieder etc kannten sie offensichtlich.

Viel zu schade, um im Hotel in Kucha zu schlafen

Ein ruhiger Tag war geplant. Manchmal ist es eben anders. Nach dem Auschecken gab es in der nahen Passage ein nettes Frühstück mit 2 Teigtaschen, ein Teller Suppe und grünen Tee. Aus Aksu heraus ging es leicht bergan, es wurde jedoch immer grüner. Auf den nächsten 70 km Felder, Wiesen, Wälder. Das hatte ich lange nicht gesehen. Grasende Kühe. Da hab ich natürlich gleich Obst und eine Honigmelone gekauft. Das zweite. Frühstück wär dann eine halbe Melone. Schon überraschend am Rand der Taklamakan. Der Ort Aksu ist türkisch und heißt „Weißwasser“. Liegt wohl an den Flüssen aus dem Tienschan, bevor sie in der Wüste versickern. Überall Dörfer, Bauern und Märkte. Viele traditionelle Dörfer werden abgerissen und durch Strassenstädte ersetzt. Dahinter vielleicht eine Fabrik. Dann plötzlich ein Berg am Horizont und schon geht es einen Pass hoch und dahinter wieder Wüste. Und dann haben sie auch noch die Landstraße weggenommen für die Autobahn. War natürlich nirgends verzeichnet. Und nun sollte ich durchs Gebirge? Also Autobahnauffahrt, Beschwerde beim Gebührenhäuschen (ja Maut gibt es auch hier) eingelegt und dann an auf die Autobahn. Verbotsschild für Räder ignoriert. Tut die Polizei auch. Nur was machen auf der Autobahn bei Einbruch der Nacht oder Hunger?
Dafür ist es wie bei Kraftwerk in den 70ern. Es rollt phantastisch. Nach fast 70 km, es wurde gerade dunkel, da tauchte ein Rastplatz auf. Umleitung Autobahn über Parkplatz wegen Kontrolle. Aber nicht viel los. Kneipe hatte gerade geschlossen. Trotzdem lud mich die Polizei auf einen Tee ein, auch weil die neugierig waren. Auf der anderen Seite wohl Hotel. Ich wollte lieber in die Stadt Kucha. So entstand der Plan, die Polizei fragt alle Busse, die ja wegen Kontrolle anhalten müssen, ob die mich bis Kucha mitnehmen. Der 10. Versuch klappte, der Bus hatte Platz und fuhr nach Kucha. Das Rad musste ich ein wenig zerlegen, dann ging’s. So war ich um 23.30 in Kucha. Wird allerdings wie Ku’tschia ausgesprochen. Die Polen kämen mit den Lauten gut zurecht.
Nach dem Ausladen der vielen Teile vom Rad und den vielen Taschen ein heftiges Palaver und Verhandlung über den Preis vor großem Publikum. War trotzdem zu teuer, es war aber schon spät und ich wollte ins Bett. Das Fahrrad war eh noch zusammenzubauen. Dafür stand sehr viel fachkundiges Publikum zur Seite. Wo aber schlafen? Kleine Stadt laut Führer. Hotel soll es geben. Na ja, die Richtung stimmte bei allen überein. So fuhr ich los, Licht ging. Und nach drei Kilometern das Hotel. War nur das Grand Hotel. Aber Bergsteiger liefen herum. Weiter wollte ich auch nicht mehr. Dann ein Zimmer für 50 €. Aber was für ein Zimmer! Riesenbad, drei Räume, Sofas, Computer etc. Eigentlich zu schade zum Schlafen. Erstmal Bad in der Wanne, Getränke daneben. So gehts, Herr Doktor. Erst spät bin ich eingeschlafen. Einmalrasierer gabs auch. So seh ich wieder ordentlicher aus.

Aksu erreicht

Neben der Schnellstraße mit Baustelle hatte ich nicht so gut geschlafen. So bin ich schon kurz nach Sonnenaufgang gegen 9 Uhr aufgebrochen, ungewaschen und ohne Frühstück. Die Toilette war die Freifläche neben dem Haus.
Der Sturm vom Abend hatte sich gelegt, dafür die Richtung gewechselt. Wie schnell alles staubig ist, auch zwischen den Zähnen.
Bis Aksu wollte ich fahren. Nur die kontinuierliche Steigung und der Gegenwind machten mir zu schaffen.
Die Strasse verläuft weiter am Rand. Irgendwann wurde es etwas grüner, wegen der Bäume und Felder mit Wasser und einer riesigen Solaranlage. Die Umspannstation war noch in Arbeit und der Netzanschluss offensichtlich in Planung. Schon mal ein Anfang.
Gegen Steigung und Wind kam ich gegen 17 Uhr in einem kleinen Ort an. Autowerkstätten und Reifenhandel jede Menge, Basar und viele Kneipen. Wie halt so ein brandenburgisches Strassendorf aussieht. Das Standardessen war gut, lecker und billig. Nur mit dem weiter radeln klappte es nicht, ich hatte die Schnauze voll, der Rücken war völlig verspannt, der Hintern schmerzte und es war noch weit bis Akzu gegen den Wind. Gegenüber der Kneipe war die Bushaltestelle. Nicht zu erkennen, muss man halt wissen, und die Taxifahrer wollten selber fahren.
Nach 10 Minuten kam tatsächlich ein. Bus, in den Horden von Bewohnern einstiegen. Für mein Rad war auch noch Platz. So kam ich für 2,50 € nach Aksu, und das innerhalb einer Stunde. Die Stadt ist hässlich und wahrscheinlich 1 Mio groß. 10x so viele Hochhäuser wie Frankfurt jeweils fertig und in Bau. Gebiete wie Marzahn oder Grünau, nur doppelt so hoch. Wer wohnt da nur, und wer soll darin wohnen? Ein paar hässliche Industrieanlagen auf den 20 km durch die Vororte.
Kurz vor acht sind wir am Busbahnhof. Ein paar Hotels in der Umgebung. Es hat aber dennoch fast zwei Stunden gedauert, bis ich ein Zimmer hatte, und das trotz sehr freundlicher Führer, die sich wirklich einsetzten. Also entweder waren die Hotels für Ausländer nicht zugelassen oder für Ausländer ausgebucht. So viel Ausländerfeindlichkeit gibt es selbst im Osten Deutschlands nicht. Da sitzen dann drei Mädels in der Rezeption, können kein Wort englisch, können deinen Ausweis nicht lesen und fordern einen Chinesischen, lachen sich dabei schlapp und schmeißen dich mit der Security raus. Das Hotel ist aber gähnend leer. Mit viel Engagement einzelner Angestellter bekam ich dann schließlich im ersten Hotel ein Zimmer, weil ich sofort bezahlte und eine hohe Kaution hinterlegte. Der. Preis von 15 € für 4 Sterne ist dann ein Witz. Jetzt steht mein Fahrrad in meinem Zimmer. Nach drei Tagen Wüste war ein ordentliches Zimmer mit Dusche und Waschgelegenheit ein Traum.
Die Stadt war noch recht lebendig, gegen 23 Uhr wurden dann aber die Bürgersteige hoch geklappt. Eine wunderbare Suppe habe ich noch bekommen, wie Umai.

Mondlandschaften

Über den heutigen Tag gibt es nicht viel zu berichten. Auf der Landstraße immer weiter nach Osten. Noch 160 km bis Aksu, 400 km bis Kucha. Rechts die Eisenbahn, links die fast fertige Autobahn. Relativ eben, kaum Steigungen, Rückenwind. Links die Ausläufer des Tienshan mit 2500m, rechts die Taklamakan. Mondlandschaften auf beiden Seiten. Wenig Grün. Alle 50 bis 100 km eine kleine Ortschaft. Die Strasse ist gut, hat zwei Spuren und Randstreifen. Gut für mich. Es liegen nur überall kaputte Reifen herum. Gegen Mittag hatte ich mir ein paar Drahtstücke in den Hinterreifen gezogen. Reifen platt. War aber nur ein kleines Loch. Trotzdem lästig, da alles Gepäck runter musste und der Hinterreifen ausgebaut. So ist das halt.
Manchmal ist der Verkehr sehr dicht, manchmal kein LKW weit und breit.
Morgen geht es Richtung Aksu immer weiter nach Osten.

Wehmütiger Abschied aus Kashgar

Dass ich das noch erleben darf. Peking-Oper im Fernsehen, zwar modernere Version. Ach ja, ist ja 1.10., Feiertag, Gründung der VR China 1949.
Wehmütig habe ich heute Kaschgar verlassen. Mit großen Emotionen bin ich vorgestern reingefahren. Wurden auch nicht enttäuscht. Habe viel gesehen und erlebt. Ich bin zutiefst dankbar, das alles erleben zu dürfen und auch noch zu können.
Ein kleines Stück von ich heute nach Osten vorangekommen. Auf der Karte nicht viel. Ich muss mir das einfach immer wieder vorstellen. Von Kaschgar bis zum Ende der Seidenstraße in Xian ist die Entfernung vom Nordkapp bis Sizilien oder von Irland bis zum Ural. Da fühlt man sich ganz klein und langsam wie eine Schnecke.
Nach ein paar Kilometern verlief die Strasse auf der alten Nordroute der Seidenstraße am Rand der Taklamakan und am Fuß des Tienshan und seinen Ausläufern ca. 1.000 bis Turfan. Die Berge sind Kahl und sehen aus wie auf dem Mond. Auf der anderen Seite ist die riesige Wüste. Inzwischen sind Strasse, Autobahn und Eisenbahn dicht neben einander. Das erste Stück bis Artusch war die Autobahn fertig und für Fahrräder erlaubt (eigene Spur bei Kontrollen und Mautstellen). Dann ging es auf der Landstraße weiter, die in einem guten Zustand ist. Die Autobahn ist noch in Bau entspricht aber deutschen Standards.
In mehr als 400 km kommen dann die ersten großen Höhlenanlagen. Ich bin gespannt.
Die beiden Deutschen Micha und. Julius sind gestern nacht nach Kaschgar gekommen, wie ich heute morgen auf deren blog gesehen habe. Vielleicht treffen wir uns dann in Urumqui.
Im Fernsehen jetzt ein Kitschfilm mit Einlagen der Pekingoper und als Hintergrund die Skyline von Shanghai.

Kashgar

Morgen ist der große Feiertag in China. Hier im äußersten Westen scheint es nicht so wichtig zu sein. Die Hotels sind leer, Reiseveranstalter haben die Saison abgeschlossen. Dabei ist es angenehm warm und die Märkte sind voll wegen der Ernte. Überall Obst und Gemüse. Muss aber gründlich gewaschen werden.
Wegen der vielen neuen Eindrücke kam ich kaum in den Schlaf.
Heute dann etwas ruhiger. Moschee, Mausoleum des uigurischen Nationaldichters Yusuf (um 1000), Markt in der Altstadt. Da konnte ich an den Düften des Orients nicht vorbei und habe Safran und Cumin gekauft. Immerhin Gläser voll und 2,50 €. Zum Mittag war ich mit meinen neuen Freunden verabredet. Deren Fahrräder waren jedoch kaputt, so dass wir Essen gingen. Auch gut. Einen deutsch-sprechenden Kollegen hatten sie auch noch mitgebracht. Es war eine nette Runde in deutsch und englisch. Bei jeder Frage zu den Verhältnissen der Völker wär dann Schluss. Ist alles toll. Steht auch überall in den Kulturstätten. Vielleicht Angst. Nach 1,5 h mussten sie wieder auf Arbeit, in einer Film- und Journalisten-Firma. Ich hab dann Mittagsschlaf gemacht. Noch zu einem Mausoleum, dann zwei Kaffee geschlürft, anschließend in einer Kneipe ein Bier, danach Abendessen, und jetzt Ruhe nach dem harten Tag.
Früher gab es die vielen Fahrräder in China. Dann der Umstieg auf Mopeds und jetzt fahren alle Elektro-Motorroller. Dadurch ist es nicht so laut, man hört die Hupen deutlicher. Für die Elektro-Revolution gibt es zwei Gründe: viele Teile der Stadt sind für Mopeds gesperrt, insbesondere bei Smog und die E-Roller dürfen die Radwege benutzen. Es gibt kaum noch Fahrräder. Ich habe aber schon welche gesehen. Dann gibt es die Lasten-Motorräder, auch wieder mit E-Motor, auch Fahrradwege. Und dann wird die Strasse auf beiden Seiten für beide Richtungen genutzt. Das führt dann gelegentlich zu Stau und Chaos. Es regelt sich vieles dann von selbst. Verkehrspolizei ist selten. Geordnetes Chaos könnte man sagen. Die Ampeln werden häufig nur als lästiger Hinweis betrachtet und ignoriert. Auffallend sind die vielen uigurischen Matronen mit aufgetakelten Haaren und Kopftuch, mit Business-Kostüm oder Kindern auf dem Roller. Sie treten häufig in großen Gruppen auf mit Schwarmintelligenz. Wenn auf den kleineren Strassen dann zu viele Händler mit ihren Karren stehen, geht gar nichts mehr. Verkehrsinfarkt. Ansonsten rechts und links überholen, gegen den Verkehr fahren, plötzlich halten und schwatzen oder einkaufen. Geht alles. Fußgänger zwischendrin. Ach ja, Autos. Die gibt es auch in großer Zahl. Wenn dann die großen Strassen  6 Spuren haben, ist viel los, insbesondere dann, wenn ein Markt auftaucht. Halten, Auto auch mal in der zweiten oder dritten Reihe abstellen und schwatzen oder einkaufen gehen, oder telefonieren. Unfälle habe ich noch keinen gesehen, das Tempo ist auch geringer als bei uns.
Der Umbau der Altstadt ist widersprüchlich, tolle Pläne und Neubau der Stadtmauer wie vor 400 Jahren, aber auch Abriss der gesamten Altstadt, da nicht erdbebensicher oder was auch immer. Man könnte auch sagen, sie bauen ein uigurisches Disneyland.
Als Eiropäer fällt man ja schon auf. Von den Kindern, die von der Schaukel fielen, hatte ich schon berichtet. Vorgestern fuhr ich an einer Herde Kamele vorbei. Wie auf Befehl glotzen mich alle an und drehten ihre Köpfe parallel zu mir beim Vorbeifahren. Da kam ich mit schon vor wie so ein Alien von einem fremden Stern.
Die meisten Menschen sprechen zwei Sprachen, Chinesisch und uigurisch, das häufig mit arabischer Schrift.
Viele Schilder haben dann vier Schriften: Chinesisch, arabisch, russisch und englisch.
Nur wenige können englisch, aber ich habe bisher alles bekommen, was ich wollte. In einer Kneipe ohne Bilder ist es auch ein Glückstreffer, etwas Ordentliches zu bekommen. Dafür ist das Essen dort besser und billiger. Man kann eben nicht immer alles kriegen.
Morgen geht es dann weiter nach Osten, mal sehen, wie weit. Das Land ist jedenfalls riesig.

Mitternacht in Kashgar

Der Tag heute war erste Sahne. Es ist Mitternacht hier in Kaschgar. Schön warm, angenehm. Die Kälte der Berge mit dicker Jacke, Thermohose und Handschuhen ist vorbei. Kaschgar ist vielfältig, umwerfend, quirlig, lebendig, freundlich, gegensätzlich, höflich, alt & neu. Es hat halt noch viel von dem Flair der alten Oasenstadt und Handelsmetropole an der Seidenstraße. In den wenigen Stunden hier habe ich mehr erlebt als sonst an Tagen zusammen. Phantastisch ist die Ausschilderung, so dass ich mich jetzt schon hier fast so gut auskenne, wie zu Hause. Die Geschäftsstraßen fast wie Kö, aber natürlich viel belebter. Die vielen Altstadt-Viertel mit pulsierendem Leben. Märkte, Läden, Kneipen, Handwerk. Die klassische Altstadt auf der Klippe am Fluss, Gässchen, Durchgänge, Treppen, Ruinen, Lehmmauern, verwunschene Ecken. Und überall der Rauch und Geruch vom Grill. Hochzeitspaare zum Fototermin. Der Basar wieder riesig, die Gerüche des Orients frei Haus, wie aus dem Märchen von 1001 Nacht, nicht 10 Schuhläden sondern hundert, alle Anzüge dieser Welt in 100 Varianten, größter Baumarkt, Naturapotheke für alle oder Keinen, phantastisch.
Zum Dinner dann in ein besseres Restaurant. Hatte Geld von der Bank geholt und es mir eigentlich auch verdient. Die 100 km von Wuqia gingen leicht, hauptsächlich auf der Autobahn abwärts. Wilde Mondlandschaften im Wechsel mit Oasen und grünen Tälern. Oben noch recht kalt mit Jacke, unten warm und Sonnenbrand auf der Schulter. Das. Hotel tatsächlich sofort und ohne ewige Fragerei erreicht. Was so ein paar Schilder doch ausmachen. Außerdem kann ich jetzt Kaschgar auf Chinesisch lesen, sprechen und schreiben. Kaschgar zu erreichen war schon ein Erlebnis, fast 1000 km nach Taschkent, eine Stadt aus größter Phantasie und tiefster Emotion. Wie Samt und Seide. Und Orient. In der Schule mit dem Finger auf der Landkarte, Marco Polo, Karawanen in der Wüste, Oase. Alle Bilder. Da also bin ich angekommen. Für diese Gnade bin ich zutiefst dankbar.
Heute zum Abendessen in einem besseren Restaurant wurde ich von drei Leuten an den Tisch gebeten, da sie dachten, mir helfen zu müssen. Haben mich auch gut beraten. So hatten wir spannende Gespräche. Drei Leute aus der Stadt, die noch nie außerhalb waren und Chinesisch erst in der Schule gelernt haben. Englisch im Studium. Viel haben wir erzählt aus den verschiedenen Welten. Kaschgar und Deutschland. Morgen Nachmittag machen wir einen Fahrradausflug in die Umgebung. Vielleicht lerne ich morgen auch noch einem Kollegen vom Fernsehen mit Deutschkenntnissen kennen. Da geht die Zeit schnell vorbei, und ist doch so intensiv. Morgen also Kaschgar intensiv.

chinesische Grenzkontrollen

Wenn der blöde Staat nicht wäre, ginge alles viel leichter. Die chinesische Grenzkontrolle lässt die DDR liberal, weltoffen und schnell erscheinen. Gegen 19 Uhr Pekingzeit bin ich in die erste Kontrolle rein, heute nach 19 Uhr hatte ich meinen Pass in Wuqia, 150 km von der Grenze, wieder und durfte weiterfahren. Nach der Gepäckkontrolle gestern ging dann nichts mehr, und ich durfte als Hotel eine einfache Unterkunft nutzen und es gab gutes Essen. Na ja, 100 m in der dunklen Nacht ohne Laternen in einem Abrissgelände zum Plumpsschlitz ist nicht erbaulich. Heute morgen war ich pünktlich zum Arbeitsbeginn um 10.30 Uhr an der Abfertigung. Es passierte aber nichts. Nach einer halben Stunde teilte mir ein Grenzer mit, ich könne nicht mit Rad weiterfahren und bräuchte ein Taxi. Na gut. Nach einer weiteren halben Stunde fragte ich nach meinem Ausweis. „Den bekommen Sie erst, wenn Sie ein Taxi haben.“ „Wo ist denn ein Taxi?“ „Da hinten.“ Stand nur keins weit und breit. Er möge es mir doch bitte zeigen. „Oh, da ist ja keins, war aber vorhin. Dann müssen wir eins rufen!“ Nach einer weiteren halben Stunde kam ein Taxi, aber nicht für mich und war auch bald im Grenzbereich verschwunden. Dann kamen vielleicht 10 Leute, wohl chinesische Uiguren, mit viel Gepäck und wurden kontrolliert. Nach insgesamt 2 Stunden meinte ein Fahrer von ein Kleinbus, dass mein Fahrrad wohl rein passe. Nach drei Stunden ging es los, ich hinten zwischen Gepäck, Kisten und Fahrrad eingeklemmt. Der Fahrer hatte alle Ausweise dabei. Nach einer Stunde Fahrt, Strasse gesperrt und erneute Grenzkontrolle. Ging relativ schnell. Weitere Stunde Fahrt auf besten nagelneuen Strassen durch die wilde Bergwelt die Ausfahrt Wuqia. Da war ich froh. Aber zu früh. Lange LKW-Schlange und verschlossenes Tor. Die Mittagspause hatte gerade begonnen. Und die dauert lange. Ist ja auch eine harte und schwere Arbeit. Dann nach zwei Stunden Fahrt zurück an der LKW-Schlange und eine neue Strasse (Geisterfahrer) zur eigentlichen Grenzabfertigung. Dort wurden wir entladen und durften bezahlen. Dahinter könnte ich dann nach Kaschgar fahren. Davor jedoch eine weitere Grenzkontrolle mit Scanner etc. Auch wurden hier die Pässe bearbeitet. Dauert nur, wenn alle Daten von Hand abgeschrieben werden für die Formblätter. Dann stand irgendwann alles Gepäck vor dem Scanner und wir mussten wieder zurück in den Wartebereich. Irgendwann tauchte eine resolute Beamtin auf und pfiff die Leute zusammen. Dann ging es endlich los. Schlange an der Passkontrolle. Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Nur Gesichtsscan unbekannt. Nach der Passkontrolle Ausweis an den Chef, der nochmals alles prüfte. Dann der Scanner. Wieder Schlange. Irgendwann war ich durch und durfte alles aufs Rad packen. Es war 19.30 Uhr und zu spät für Kaschgar (80 km). Also erst mal aus dem Grenzbereich raus (1 km). Am Ausgang niemand der englisch sprach. Wie da ein Hotel finden? Nach Zeichensprache dann die Info, dass ein Hotel in der Stadt sei. Echt toll. Nur wie finde ich die Stadt mit den wunderbaren Zeichen? Nach Gefühl wär ich dann in der Stadt. Hinweisschilder? Also in einem Laden gefragt. Nichts verstanden, aber im Nachbarladen jemand, der etwas Englisch konnte. Klar Hotel, welche Kategorie?, der Mitarbeiter bringt Sie mit Motorrad dorthin. Echt toll, bewundernswert. So war ich also beim Hotel. Zimmer, Dusche, Preis ok. Warum dann aber doppelt? Sie sprach immer schneller, ich verstand nichts. Wollte schon gehen. Da fand sie im Computer ein englisches Wort „deposit“. Damit war es klar. Ausweis natürlich auch. Da waren beide froh und ich konnte mein Zimmer beziehen. Erst mal was essen nach dem langen Tag ohne Frühstück. Nach Tagen auch die erste Dusche und Wäsche.
Auf den Strassen dann das volle Leben. Laden neben Laden, Werkstätten, Kneipen, Restaurants. Alles was das Herz begehrt. Überall auch Märkte. Es duftet phantastisch. Es wurde schon dunkel, als ich mich für ein Restaurant entschied. Ohne Karte kam dann auch gleich Essen auf den Tisch, natürlich auch Tschai. Lecker, gut, reichlich für 1,5 €. Die Einrichtung einfach, aber sehr ordentlich ohne Schmutz und bröckelnden Putz. Die Chefin sehr freundlich, höflich, immer mit einem Lächeln, so um die 70, wie ihr Mann.
Es war dann schon dunkel, aber immer noch volles Leben auf den Strassen und viele Gerüche. Im Laden nebenan gab es u.a. Tuborg-Bier.
Auffallend ist die Ruhe in den Strassen und über der Stadt. Die meisten Roller und Motorräder sind elektrisch betrieben. Du hörst sie einfach nicht. Und die Motorräder und Autos fahren leise, ohne die Motoren aufjaulen zu lassen. Echt angenehm.
So bin ich mit dem Land und den Leuten versöhnt. Als Europäer wirst Du bestaunt wie ein Weltwunder. Die Kinder fallen von der Schaukel. wahrscheinlich kommt auch kein Europäer in diese Kleinstadt.
Mal sehen, wie es morgen wird auf dem Weg nach Kaschgar.

Und nun bin ich wirklich in China!

Da hab ich es doch geschafft, nach China zu kommen. Da war ich sehr froh und glücklich. Habe sogar ein paar Freudentränen vergossen. Die Strecke war schon sehr ambitioniert, von Taschkent durchs Gebirge ins Ferganatal und dann über Osh und  Sari-Rash über den Irkeshtam- Pass auf 3760 m nach China. Für Radfahrer der einzige Weg von Usbekistan durch Kirgistan nach China. Ich war mir absolut nicht sicher, ob ich das schaffen würde. Und dann habe ich nur acht Tage gebraucht für die 850 km.
Als ich heute morgen aufwachte, dachte ich schon in einer anderen Welt zu sein. Letzte Nacht war es schon dunkel. Vor meinem Fenster das Panorama des Pamir mit über 6000 m Höhe. Voll im Schnee, direkt aus der Hochebene aufsteigend. Die Sonne tauchte alles in ein unwirkliches Licht. Nach ein paar Einkäufen in dem sehr kleinen Ort ging es dann gleich los. Im Hochtal ging es zuerst ganz gut voran. Auf einer Höhe von 3300 m fährt man aber langsamer. Rechts von mir die ganze Zeit das Pamirgebirge. Unbeschreiblich schön und majestätisch. Immer wieder habe ich Pause gemacht, um das Panorama zu betrachten. Manche Pause war auch zum Durchatmen notwendig, denn die Puste geht dort oben doch etwas kürzer, zumindest bei mir. Mit dem Panorama ging es dann zum Irkeshtam hoch, nicht sonderlich Steil, aber halt weit oben. Nach unten zur Grenze ging es dann steil bergab mit ein paar Steigungen beim Queren von riesigen Tälern. Kurz nach 17 Uhr erreichte ich die Grenze, die sich jedoch über 10 km erstreckt. Die Chinesen hatten fast Feierabend, so dass ich meinen Pass erst morgen bekomme. War mir recht, eine Unterkunft und ein Restaurant zur Verfügung stehen. Weiter wollte ich sowieso nicht mehr. Und das Essen war hervorragend. Und das alles für 6 €. Das nächste Ziel ist dann Kaschgar.