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Uyuni Salzsee

Meine liebe Rita,

Gespenstische Stille, unendliche Weite, dazu gleißendstes Licht. So fühlt es sich an, hier oben auf 3660 am Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt.
Viele Touristen sind hier, verlaufen sich aber mit ihren Landcruisern in der Weite des Sees. Für die bin ich eine der Attraktionen.
100 km flach, salzig und weiß. Da glaubt man, über ein Salzkorn stolpern zu können.
Für mein Mittag ein außergewöhnlicher Ort, es war dann nur etwas schnöde mit Brötchen, 2 Sorten Käse und Wurst, Orange und Keksen. Ich hatte mich allerdings auch nicht vorher auf diese besondere Atmosphäre eingestellt. Dabei fiel mir mein letztes so ganz besonderes Dinner ein. Das war damals, 1986, mit dem Schiff auf dem Weg von Malta zum Peloponnes.
Es war aber hoffentlich nicht das letzte besondere Erlebnis auf dieser Reise und den nächsten Jahren.
Nachts ist es weiterhin sehr kalt bei -11, bis in den Morgen gegen 10, obwohl die Sonne schon gegen 7 aufgeht. Tags ist es dann in der Sonne ziemlich warm, so dass ich eine Schale nach der anderen ablege. Wenn nachmittags dann die Sonne hinter einem Haus ist, wird es plötzlich kalt. Das wird dann nur durch solche Erlebnisse kompensiert.
Auf dem Rückweg vom Salar hatte ich dann Sonne und Wind von hinten. Es lief prächtig. In der Ferne die Berge, die Straße flach und ganz gerade, kaum Verkehr. Da fühlte ich mich plötzlich so richtig frei. Ja so muss es sich anfühlen. Alles geht, kein ernstes Problem, voraus alles erleuchtet, die Sonne liegt warm auf der Landschaft, es ist friedlich. Ein wahrscheinlich privilegiertes Gefühl. Es ist aber schön, wirklich schön. Man fühlt sich dabei auch gleichzeitig glücklich.

unendlich


Dann sah ich noch die Linien auf der Straße. Die liefen so schön gerade nebeneinander her und kamen sich weit vorne immer näher. Da ganz weit weg schien schon die Unendlichkeit zu sein, fast sichtbar. Vielleicht ist die Freiheit ja dort verortet? Immer weit vor uns? Müssen wir uns anstrengen, um sie zu erreichen? Das fällt mir dann so auf langen Stunden auf dem Rad ein, unterwegs zum Reich der Freiheit? Das wird wahrscheinlich jeder für sich, und grundsätzlich sowieso, anders sehen und sehen können und dürfen.
Gestern hatte ich noch einen kleinen Sonntagsausflug nach Potosi, der alten Bergbaustadt, der Spanien seinen Reichtum zu verdanken hatte. Schon die Inkas hatten dort Silber geschürft, die Spanier machten es in einer anderen Dimension. Heute sind nur noch einige Genossenschaften zugange, mit geringer Beute, hauptsächlich Bor und Wolfram. Übrigens lagern im Salar  die größten Lithium-Vorkommen.
Ansonsten ist heute nicht mehr viel los. Höchstgelegene Grossstadt  (180.000) nennt sie sich (auf 4080 m). Die Altstadt mit vielen großen Kolonialgebäuden, Potosi war ja mal die reichste Stadt Amerikas, ist gut erhalten, dank UNESCO.
Ich habe mich nur gewundert, warum man weiterhin den Berg mit schlechter Rendite und großen Gefahren aushöhlt, statt ihn ganz zu mahlen und einzuschmelzen.
Morgen geht es dann nach La Paz mit der Hilfe eines Nachbusses, die Zeit wird mir knapp.

Nachtrag: Auf dem Weg zum Salar hatte ich heftigen Gegenwind (gut für zurück) und musste mehrmals eine Brücke über die Eisenbahn hoch. Das ging ohne Probleme in einem höheren Gang.

Tupiza

Das leise Surren der Kette und die Stiefelsohle waren das einige Geräusch im Alti Plano. Eine schon fast gespenstige Stille auf der Straße nach Tupiza. Selten mal ein Auto. Dafür aber diese friedliche Landschaft. Manchmal ein paar Häuser oder grasende Lamaherden. In der Ferne die majestätische Kordilliere mit etwas Schnee. Irgendwie ist es hier zu schön und friedlich, um wahr zu sein. 
Zuerst ging es ziemlich eben in der Sonne voran. Dann wurde die Hochebene doch von Flüssen und Höhenzügen durchzogen. Die Landwirtschaft wurde intensiver. Gegen Abend wurde ich dann doch ziemlich müde und abgespannt. Hier auf 3500 bis 3200 ist es schon etwas anstrengender als am Meer. Ich muss mich auch noch etwas daran gewöhnen. In ein paar Tagen wird dann wohl die Kraft zurück sein.
In Tupiza, einer Stadt von 30.000 mitten mit Hochland im Nirgendwo ohne Netzanschluss, aber mit Bahnhof. Ich musste schon vorher, dass am späten Abend, drei Mal pro Woche, ein Zug nach Uyuni fährt. Sogar mit Gepäckwagen für das Fahrrad. So komme ich etwas voran, zum Salar de Uyuni. Die Fahrt war dann Abenteuer genug. Der Zug füllte sich schnell. Mit einer Stunde Verspätung zuckelte die Schmalspurbahn dann los. Um 22 Uhr war es schon längst dunkel. Es ging auf und ab und bald fuhren wir durch eine geschlossene Schneedecke. Kalt war es natürlich auch draußen mit -11. Gegen 1.30 kam der Zug dann endlich an. Dann musste alles schnell gehen, der Zug wollte weiter. Trotz der gewaltigen Schaukelei und kleinerer Pannen, bin ich gut angekommen. Ein Hostel war auch bald gefunden. Um den Bahnhof herum sind viele Hotels, Hostels Busbetriebe, Expeditionstouren. Das volle Tourismusprogramm. Hier oben ist es nur gerade nicht so voll. Scheint auch der Kältepol von Amerika zu sein. Morgen ist auch noch ein Tag. Das weiß ich, weil ich im Bus nach Potossi sitze. 

Pacham-ama

Pacham-ama. Ja, Pachamama wohnt hier im Hochtal der Quebrada de Humahuaca, hoch oben in den Bergen. Die alte Indiogöttin wird hier immer noch verehrt. Pachamama ist die Göttin der Erde, wie in der griechischen Mythologie Gaia. Viele Parallelen kann man da finden. Der Hauptgott ist der Sonnengott. Aus der Vereinigung beider ist die Welt mit den Menschen entstanden. So der alte Glaube, der bis heute fortlebt und besonders im Herbst, Erntedank, gefeiert wird. Wegen der Konformität wird Pachamama mit der katholischen Maria gleich gesetzt.
Also in dem Reich von Pachamama bin ich jetzt angekommen. Hier beschützt sie auch mich. Der Ort Tilcara hat eine riesige Festung, jetzt jedoch in Ruinen, aus uralter Zeit, lange vor den Inkas. 
In einem kleinen Museum am Wegesrand, das eigentlich der Geschichte der Post und Poststationen in dieser Region seit dem 16. Jahrhundert gewidmet ist, fand ich interessante Funde aus der Umgebung aus der Steinzeit bis heute. Im Unabhängigkeitskrieg spielte dieser Ort und die Region eine große Rolle. 
Ziemlich geschafft bin ich heute, weil es den ganzen Tag bergauf ging. Bei 1300 fuhr ich los, jetzt bin ich auf 2500 m. Mit der Höhe komme ich gut zurecht, hatte ja auch genug Zeit, mich darauf einzustellen. Es ist halt das Fahrrad und 35 kg Gepäck, die mit bewegt werden müssen. Zwischendrin waren auch steilere Stücke, wo auch viele LKWs Probleme hatten.

Hinzu kommt die Kälte nachts, die sich bis 10 Uhr hält und mit Sonnenniedergang ab 17 Uhr wieder da ist. Momentan ist es nachts bis -8 Grad. Weiter oben dann bis -16 Grad. Tags über in der Sonne ist es dann angenehm mit 10 bis 15 Grad. Dicke Sachen sind aber auch tagsüber gefragt.
Für die Hochanden, Missiones und Südbrasilien ist es jetzt aber die beste Reiszeit, da es trocken und besser temperiert ist als mit 40 Grad ++. In den Anden ist es fast wolkenlos.
Das nächste größere Ziel ist dann der Salar de Uyuni, der größte Salzsee der Erde, in Bolivien.