Posadas

Posadas

Endlich bin mal etwas vorangekommen und in Posadas, der Hauptstadt von Missiones, angekommen. Das angeblich ausgebuchte Hostel war fast leer und die Kneipe nebenan ganz gut. Nach Tagen auf kalten Zeltplätzen und Regen endlich eine warme Dusche in warmen Räumen. Seit den Gewittern von Sonntag war es richtig kalt geworden, nachts nicht mehr als 6 Grad und tags nur in der Sonne bei 20 Grad. Also die Dusche war toll. So konnte ich auch die rote Erde von Schuhen, dem Handtuch und mir los werden.


Missiones soll die schönste Landschaft von Argentinien sein, mit viel Obst und Blumen. Es war die falsche Jahreszeit dafür, manchmal bekam ich aber Mandarinen oder Orangen geschenkt. Manchmal konnte ich Obstplantagen erkennen. Die Blüten hielten sich in Grenzen und tropisch war es auch nicht. Aber eben tiefster Winter. Fürs radeln ok, besser als 40 Grad und schwül oder 7 Tage die Woche Regen. Gestern sah ich drei Radler in der anderen Richtung, heute traf ich zwei in meine Richtung; es war Zeit für ein Schwätzchen. Sie sprachen sehr gut englisch und kannten sich in „Südamerika mit Rad“ sehr gut aus. So werde ich meine Pläne anpassen.


Und dann war ich dort – warum die Region Missiones heißt – in der ehemaligen Niederlassung der Jesuiten, die die Indianer aber weder geschlachtet noch zur Religion gezwungen haben. So entstand eine multikulturelle und sehr zwanglose Gesellschaft mit gegenseitigen Einflüssen und Respekt. Darüber hinaus waren die Jesuiten wirtschaftlich sehr erfolgreich, was die bürgerlichen und rückständigen weißen Nachbarn nicht gut fanden und als gotteslästerlich brandmarkten. Mit der Vertreibung der Jesuiten aus Spanien um 1776 mussten auch diese das Land hier verlassen. Danach ging es mit der Region bergab bis zur völligen Zerstörung im Grenzkrieg Brasilien/Paraguay/Argentinien etwa 1817. Heute steht auf der Tafel:“ These successful experiments provoked the Power“.

Das muss 200 Jahre später den jungen Che beeinflusst haben, der ja nicht weit entfernt aufgewachsen war. Überhaupt scheint Che ein Nationalheld von Argentinien zu werden: Sein Geburtsort Rosario hat einen Park nach ihm benannt und eine Statue errichtet. Sein späterer Wohnsitz als Jugendlicher hat ein Museum errichtet und seine Uni in Cordoba hat eine Gedenkstätte errichtet. Vom Museum , dem Wohnhaus seiner Kindheit, hatte ich schon berichtet.


Wenn das alles Ignatio do Loyola, der Gründer der Jesuiten, geahnt hätte …..
Auf jeden Fall ist es ein interessantes Museum über eine offensichtlich glückliche Zeit in den Tropen.
Ab dem Museum wurde die Straße deutlich besser, die ersten 20 km zwar noch Baustelle mit entsprechenden Einschränkungen, die mich als Bauingenieur aber eher interessieren. Danach war es eine Schnellstraße mit Standstreifen/Radweg. Mit dem Ausbau werden auch die Kuppen weggenommen und in den Tälern höhere Brücken gebaut. Einfach toll. Mit 20 bergan und 40 bergab. Gebaut eher für LKW, aber auch ich freue mich. Nach den harten und frustrierenden Tagen zuvor ein Erlebnis. Die Ingenieure hier können also doch Straßen bauen!! Sollen die aus Neuseeland mal vorbeikommen!!


Gestern hatte ich noch kurz notiert: Nichts besonderes. Nur hoch und runter auf der RN 12, manchmal auch steil. Alles dreckig von der roten Erde. Auch die Straßen und Autos. Auf dem Zeltplatz Baden Baden bei Jardin America angekommen. Der Besitzer sprach deutsch, sein Großvater kam aus Deutschland. Seine Mutter hat mit ihm noch deutsch gesprochen. Sein Sohn spricht nur argentinisch (spanisch). Zelt unter Vordach auf Beton, mit Wasserhahn und Spüle, aber es ist kalt. Es gab Kürbissuppe aus Argentinien, aber von Knorr. Morgen wird es wieder spannend.

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